Geschichten von Zuhause

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Anfangs Monat hatten wir euch folgendes gefragt:

Kennt ihr jemanden, der in dieser Zeit etwas Aufmunterung gebrauchen könnte und dem ihr mit einem gratis Librio-Buch eine Freude machen möchtet?

 

Die Idee war, 100 personalisierte Librio-Bücher an Kinder zu verschenken. Wir wollten dabei helfen, die negative Stimmung, die die momentane Situation weltweit verbreitet, für möglichst viele Kinder etwas aufzulockern.

 

Überraschenderweise haben wir innerhalb weniger Tage über 500 Nominierungen erhalten. Das sind fünf Mal mehr, als die Anzahl Bücher, die wir eigentlich verschenken wollten..

Jede Geschichte gab uns einen Einblick in ein Zuhause während dem Lockdown. Wir waren zutiefst gerührt.

 

Daher beschlossen wir, 300 anstatt der geplanten 100 Bücher zu verschenken. Diese haben wir zufällig ausgewählt, da wir nicht werten wollten, welche Kinder es mehr oder weniger verdient gehabt hätten.

 

Die emotionalen und dankbaren Rückmeldungen überzeugen uns davon, die richtige Wahl getroffen zu haben.

 

Ein riesiges Dankeschön geht an unseren schweizer Druckpartner, Bookfactory, der gleich  1'500 CHF in Form von Druckkosten für unsere "Aktion glückliche Kinder" gespendet hat. Eine wundervolle Geste von einem wundervollen Partner.

 

Da es uns so berührt hat, eure Geschichten zu hören, möchten wir gerne einige davon mit euch teilen (selbstverständlich mit Erlaubnis).

Eure Geschichten:

Er ist 2 Jahre alt und hat schon 2 Operationen am Kopf hinter sich. Diese Woche folgt eine 3. und dies trotz Corona-Krise. Er ist aber sehr tapfer. Er liebt Bücher über alles!

 

Die kleine L--- hat eines eurer schönen Bücher verdient, weil L---s Papa - einer der vielen Helden des Alltags - derzeit Tag und Nacht als Apotheker arbeitet, wo er tagsüber verunsicherte Bürger versorgt und berät, und zudem noch nachts selber Desinfektionsmittel herstellt, um so einen Beitrag für die Versorgung seines Ortes zu leisten. Den Preis dieses Einsatzes zahlt die kleine L---, die seit einigen Wochen kaum mit ihrem Papa  kuscheln oder spielen kann, da dieser tags und nachts in der Apotheke ist, und gleichzeitig nicht riskieren möchte, das Virus auf die kleine L--- oder ihre Mama zu übertragen.

 

Er ist behindert und seine Mutter hat keine Zeit (oder will sich diese nicht nehmen) um persönlich für ihn zu sorgen. Somit verbringt er die nächsten Wochen im Heim.

 

Weil sie in dieser schweren Zeit sehr viel Entbehrungen hinnehmen muss und diese auch sehr sehr brav verkraftet. Jeden Tag am Morgen fragt sie wegen dem Kindergarten und wenn wir spazieren sind, ob wir nicht auf den Spielplatz gehen können. Jedes Mal müssen wir dieses leider mit Nein beantworten und da ist Lesen eines von ihren liebsten Dingen geworden, um sich gemeinsam mit uns Zeit zu vertreiben.

 

Mutter alleinerziehend, trotzdem bieten Mutter und Kind in einem liebevollen, selbstgemachten Brief Nachbarschaftshilfe an.

 

Seine Mama ist alleinerziehend und derzeit in Halbzeit Anstellung. Er hat Asthma und sein Vater ist derzeit nicht so regelmäßig wie sonst parat, weil Polizist.

 

Sie wird am 19.4. 4 Jahre alt und hat sich so auf ihr Geburtstagsfest auf dem Campingplatz gefreut. Nun darf sie weder feiern noch in den Urlaub fahren.

 

Sie ist so traurig, weil sie ihre Nana nicht sehen kann. Auch die Eltern haben alle Hände voll zu tun, da sie neben N---- noch Zwillinge haben und im Home Office arbeiten müssen. An Ostern hat N---- Geburtstag und kann nicht mit all ihren Liebsten feiern.

 

Weil er aufgrund eines Herzfehlers zu den Risikopersonen gehört und er noch nicht verstehen kann, weshalb er nun so
isoliert leben muss zur Zeit.

 

Weil er in dieser schwierigen Zeit ein wahnsinnig toller Bruder für seine kleine Schwester ist und hinnimmt, dass ich als seine Mama „an der Front“ absorbierter bin als sonst.

 

Weil beide Elternteile von zu Hause aus und nach einem straffen Zeitplan arbeiten müssen. L---- ist mit ihren dreieinhalb Jahren ein Kind, das Bücher über alles liebt und nicht genug davon kriegen kann. Das beruhigt sie und entschädigt für den fehlenden Kontakt zu mir als Oma (Österreich/Deutschland) und den FreundInnen aus der Kita. Auch ich trage meinen Teil dazu bei und lese meiner Enkelin trotz fast 1000 km Distanz per Videokonferenz vor. 

 

Weil sie eine alleinerziehende Mama hat, die nebenbei noch als Krankenschwester arbeiten gehen muss und sie sich sicher über ein bisschen Ablenkung in dieser trostlosen Zeit durch ein Buch, was sie abends zusammen mit ihrer Mama lesen kann, freuen würde.

 

Da die Eltern derzeit getrennt leben, die Grosseltern, Gotti und Götti weit weg wohnen, hat dieses Mädchen schon sehr viel zu stemmen. Ein solches Buch würde der kleinen Leseratte etwas Freude bringen.

 

Ihre Mama ist alleinerziehend und muss neben dem Job auch diverse Termine und Schule organisieren. E--- macht es zwar ganz toll mit den neuen ADHS-Medis und bastelt und zeichnet wie eine Weltmeisterin. Dennoch fehlt ihr das Draussen-sein und sie vermisst es, die überschüssige Energie rauszulassen und sich auszupowern auf dem Schulhof. Da darf sie nämlich nicht mehr hin, weil da immer noch so viele Kinder sind.

 

Sie leidet an Epilepsie und Autismus und geht in einen Kindergarten für geistige Beeinträchtigungen. Leider sind für sie Veränderungen nur schwer zu akzeptieren. Leider muss ich als Mama auch noch täglich 6 Stunden im Homeoffice arbeiten und der Papa geht weiterhin Vollzeit arbeiten. Sie ist ein riesiger Bücherwurm und es entspannt sie, wenn sie sich damit beschäftigt oder man ihr etwas vorliest.
Wir würden uns sehr freuen ein Buch zu gewinnen um diese schwierige Zeit angenehmer meistern zu können.

 

N----, 5 Jahre, hat Abschied von seinem Büsi (Katze) nehmen müssen. Der stille kuschelige Zuhörer fehlt ihm unglaublich. Mami arbeitet im Rettungsdienst und ist nun viel öfter weg und hat weniger Zeit für ihn.
Aber Geschichten lieben sie beide und suchen immer wieder ein Zeitfenster für die gemeinsame Auszeit - erzählen - schauen - zuhören....Zweisamkeit!

 

D---- wird im Juli 8 Jahre alt und leidet an Leukämie. Er ist meistens im Spital und darf aufgrund der jetzigen Situation keine Besucher empfangen.

 

L---, 3j., hat seit 1,5 Jahren starkes Asthma und seit heute weiss er, dass er auf alle Tiere allergisch ist und seine Lungen sind sehr geschwächt. Seine Grosseltern haben beide einen Hund und eine Katze und er ist traurig und hat Angst, dass er seine Grosseltern deswegen gar nicht mehr besuchen darf.

 

Mit den aktuellen Szenen von spanischen Kindern, die ihr Zuhause nach 6 Wochen Lockdown zum ersten Mal wieder verlassen dürfen und den Schulen in Europa, die langsam wieder geöffnet werden, hoffen wir, dass diese Zeit bald Vergangenheit sein wird. Und dass alle Kinder wieder frei und wild und abenteuerlustig sein dürfen.