Librio in Kambodscha: Die Book Flowering Ceremony

6 minute read

Bei Room to Read in Kambodscha - Tag 1

Auf unserer Reise nach Kambodscha im vergangenen Sommer haben wir mit Room to Read zwei Schulen und einen Workshop besucht, um herauszufinden, was mit euren Buchspenden passiert und wie diese die Leben von Kindern auf der ganzen Welt nachhaltig prägen.

 

Die Umsetzung der Projekte hat uns total überzeugt. Die Eindrücke, die wir von der Reise mitnehmen durften, waren überwältigend.

 

Der erste Programmpunkt war eine Book Flowering Ceremony in einem kleinen Dorf, das 2 Autostunden entfernt von Siem Reap liegt.

 

Der Erfolg der Bibliothek hängt von der Dorfgemeinschaft ab

Auf unserer Fahrt zur Anchanh Primary School hat uns Dany So, unsere wunderbare Kontaktperson von  Room To Read, den Hintergrund der Buchzeremonie erklärt. Ausserdem hat sie hervorgehoben, wie wichtig die Akzeptanz der Dorfbevölkerung für den Erfolg der Bibliotheken ist, die im Zentrum der Room to Read Projekte stehen. Nur wenn die Bevölkerung mitzieht, können die Projekte funktionieren.

Grund ist, dass die Bibliotheken zwar von Room to Read gebaut und mit Büchern ausgestattet, aber nur während 4 Jahren aktiv betreut werden. Danach ist das Dorf für das Funktionieren des Betriebs selbst verantwortlich. Bis dahin soll die Bibliothek als zentraler Begegnungs- und Lernort für die Schüler aufgebaut und vom Dorf akzeptiert werden.

 

Und so verlangt Room To Read, dass 50% der Kosten für den Aufbau einer Bibliothek vom jeweiligen Dorf getragen werden. Damit soll sichergestellt werden, dass die Bibliothek als wertvolles Gut für die Gemeinschaft anerkannt und auch nach Ablauf der 4 Jahre weiterhin unterhalten wird. Die Spender des Dorfes werden an der Wand der Bibliothek verewigt.

 

Warum heisst es Book Flowering?

Room to Read achtet bei der Umsetzung aller Projekte auf den kulturellen Hintergrund des Landes. So werden bekannte Begriffe und Traditionen in die Projektarbeit mit einbezogen.

In Kambodscha nahm Room to Read auf eine Tradition der buddhistischen Mönche bezug. Diese feiern eine so genannte Flowering Ceremony. Dort kommt die Dorfgemeinschaft zusammen, kauft Blumen für den Tempel und bringt diese gemeinsam zur Pagoda. Dies soll dem Dorf Glück bringen und es beschützen.

 

Entsprechend werden in der Book Flowering Ceremony von Room to Read die Dorfbewohner dazu ermutigt, Bücher zu kaufen, die dann gemeinsam in die Bibliothek gebracht werden. Dieser Zeremonie, bei der auch wir symbolisch für die Spenden von Librio einen Stapel Bücher zur Bibliothek tragen durften, ist ein richtig festlicher Akt.

 

Und dann stiegen wir aus dem Bus aus..
Nun, in der Theorie hatten wir die Erklärungen verstanden. Wir würden also als Ehrengäste von ein paar Mitgliedern im Dorf begrüsst werden und mit ihnen Bücher zur Bibliothek bringen. Wie so etwas in der Praxis aussehen würde, konnten wir aber nur erahnen...oder eben nicht :-).

 

Nichtsahnend stiegen wir aus unserem Minibus aus. Begrüsst wurden wir aber nicht nur von ein paar wenigen Dorfbewohnern, sondern von der gesamten Dorfbevölkerung. Schüler, Bürgermeister, Lehrer, Eltern, Schuldirektor, Dofrat..und sogar ein Mönch war da (Mit Selfie-Stick).  Alle hatten sich festlich gekleidet und in einer Reihe aufgestellt, um uns zu begrüssen und Strohhüte und Schals zu überreichen, die sie in Vorbereitung auf diesen Tag in Handarbeit erstellt und mit unseren Namen bestickt hatten. Die Gemeinschaft sang und klatschte und eine verkleidete Band begleitete uns ins Dorf.

 

Wow. Wir waren sprachlos und ehrlich gesagt auch etwas peinlich berührt. Was haben wir getan, um einen solch einen Empfang zu verdienen? Und wie verhält man sich in so einer Situation? Am besten man lächelt. Und dankt. Und lächelt. Und dankt. Nach einer Weile hatten wir uns dann aber an die Situation gewöhnt und konnten uns mit den Leuten freuen.

 

Nach ein paar Reden begann die eigentliche Zeremonie. Jedes Kind durfte ein Buch nehmen - auch wir erhielten welche - die wir dann gemeinsam in einem musikalischen Festakt zur Bibliothek tragen durften. Dabei liefen wir einmal durchs ganze Dorf und zurück. Dies sei wichtig, so wurde uns gesagt, da jeder im Dorf davon Notiz nehmen und so die Wichtigkeit der Bibliothek verstehen sollte.

 

Zu sehen, mit welcher Freude und Wertschätzung die Kinder ihren neuen Lesestoff in Empfang nahmen, war sehr erfüllend.

Tanzende Pandas, Tanzendes Librio-Team

In der Bibliothek angekommen, durften wir die Vielfalt an Büchern bestaunen. Romane, Sachbücher, Bilderbücher - In den Regalen standen hunderte Bücher.  Jedes war mit einem Label versehen, das den Schwierigkeitsgrad bzw. das Leselevel der Kinder wiederspiegelte. Ausserdem standen die Bücher nicht wie bei uns Buchrücken an Buchrücken, sondern sie standen so im Regal, dass man von jedem Buch das Cover sehen konnte. Alles hatte System und war darauf ausgerichtet, die Schüler ganz individuell in ihrem Lesefortschritt zu begleiten - Es war so toll gemacht, dass wir uns gar gewünscht hätten, als Kinder selbst eine solche Bibliothek gehabt zu haben. Da kann sich so manche Schule in der Schweiz ein Beispiel nehmen.

 

Als wir unseren Trip nach Kambodscha geplant hatten haben wir entschieden, dass wir mit den Schülerinnen und Schülern gerne etwas interaktives machen wollten, statt nur in beobachtender Rolle zu sein. Also schlug unser  Illustrator Nick vor, mit den Kindern einen kleinen Workshop abzuhalten. Und so kam es, dass er mit den Kindern einen eislaufenden und gleichzeitig Buch lesenden Panda gemalt hat, dessen Freundin, ein lesendes Häschen, ihn von einer Hängematte aus dabei beobachtet hatte. Es hat Spass gemacht und war hoffentlich ein Erlebnis, an das sie sich gerne erinnern werden. Das phantasievolle Bild hängt auf jeden Fall nun in der Bibliothek.

 

Und dann war Ed an der Reihe. Dany fragte ihn, ob er der Dorfgemeinschaft gerne eine Geschichte vorlesen würde. Unser ehemaliger Englischlehrer Ed liess sich das natürlich nicht zweimal sagen und freute sich bereits darauf, sein Können unter Beweis zu stellen. Was er allerdings nicht wusste war, dass es sich um einen kleinen Lesewettkampf handelte - und seine junge Gegnerin die zweifache kambodschanische Lese-Meisterin war. Ed lies die Geschichte auf Englisch und das Mädchen konterte in Khmer. Jedes Mal, wenn Ed die Tierstimmen speziell betonen wollte, setzte die Schülerin noch einen drauf. Sorry Ed, der Punkt geht klar an das Mädchen. Es war schön anzusehen, wie selbstbewusst und stolz sie vorlas - Und von der Dorfgemeinschaft dafür bejubelt wurde.

Als nächstes stellten wir uns einer kleinen Fragerunde. Es war wunderbar zu sehen, wie engagiert die ganze Community war und wie dankbar sie Room to Read und Librio waren, dass wir Bücher spenden. Der Wert von Bildung wurde von diesem Dorf definitiv erkannt.

 

Der Event endete mit einem kleinen Konzert der Schülerinnen. Die Instrumente dafür wurden vom Tempel zur Verfügung gestellt. Und natürlich wurden wir dazu aufgefordert, zu tanzen. Milde ausgedrückt nicht gerade eine unserer Kernkompetenzen. Leider hatte niemand eine Kamera zur Hand, um unsere Tänze auf Video zu verewigen. Wirklich schade.

 

Und so tanzten wir zurück zum Minibus, winkten unseren wunderbaren Gastgebern zu und machten uns auf den Weg zurück nach Siem Reap.

 

Was für eine Erfahrung...Erinnerungen, die wir so schnell nicht vergessen werden und uns bestätigten, dass wir eine richtig tolle Organisation unterstützen.