Auf der Suche nach einer sinnvollen Alternative zu Black Friday

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Die Suche nach einer Alternative für Black Friday

In den vergangenen drei Jahren stellten wir uns jeden Herbst die gleiche Frage: «Was machen wir dieses Jahr an Black Friday?» Auch wenn der Konsumwahnsinn in Europa nicht so extrem wie in den USA ist, gibt es auch hier eine erhöhte Kaufaktivität am Black Friday. Somit wird die Frage nach einer Black Friday Aktion auch für uns immer relevanter.

 

Was haben wir als ethisches Unternehmen also für Möglichkeiten, eine Alternative zu den vermeintlichen Schnäppchen-Preisen und dem Rabatt-Wahnsinn zu bieten? Mit diesem Artikel möchten wir euch einen kleinen Einblick in unsere diesjährige Diskussionsrunde zum Black Friday geben.

 

1. Ignorieren
Würden wir den ganzen Wahnsinn einfach ignorieren, könnten wir sehr viel Zeit und Energie sparen. Wir sind jedoch der Meinung, dass nichts tun bedeuten würde, den Kopf in den Sand zu stecken, so als ob es den Black Friday nicht geben würde. Ob wir es nun mögen oder nicht: die Mehrheit der Besucher_Innen auf unserer Website wird wissen, dass am 27. November Black Friday ist. Das Ignorieren dieses Tages würde also so wirken, als ob wir uns des Black Fridays einfach nicht bewusst wären.

 

Schöner fänden wir es aber, diese Gelegenheit zu nutzen, um unseren Kund_Innen die Librio Art und Weise eines Black Fridays zu zeigen.

 

2. Große Rabatte anbieten
Das war für uns zu keinem Zeitpunkt ein Thema. Einfach mitzumachen und das Gleiche wie fast jedes andere Unternehmen zu tun, ist so gar nicht Librio-like. Vielmehr möchten wir die Menschen gerne darauf aufmerksam machen, ihrem Einkaufsverhalten mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

Librio Black Friday REI

3. Unsere Website für einen Tag schliessen

Jetzt kommen wir zu den Themen, die die Diskussion wirklich in Gang gebracht haben. Als Inspiration hierfür diente die wohl bekannteste Alternative zu Black Friday, initiiert vom Outdoor Shop REI. Sie schliessen alle Geschäfte für einen ganzen Tag und ermutigen ihre Mitarbeitenden, den Tag draussen zu verbringen.

 

Für eine Outdoor-Marke wie REI macht diese Aktion vollkommen Sinn und ist sehr inspirierend. Für uns als personalisierter Kinderbuchverlag waren wir uns da aber nicht so sicher. Was würde es wirklich bewirken, wenn wir die Website schliessen würden? Wir könnten sagen: «Verbringt etwas Zeit mit euren Kindern, anstatt einzukaufen», aber die Botschaft hätte nicht die gleiche Bedeutung wie bei REI. Zu unseren Kund_Innen zählen auch viele Großeltern, kinderlose Patinnen und Paten, oder Eltern von Kindern im schulpflichtigen Alter. Sie hätten also gar nicht die Möglichkeit, diese Zeit mit den Kindern verbringen zu können.

 

Dieses Beispiel verdeutlicht das Paradox, mit dem wir es am Black Friday zu tun haben. Als kleines Startup brauchen wir die Einnahmen vom Black Friday, um das Überleben unseres Unternehmens zu unterstützen. Einfach nein zu diesem Tag zu sagen, könnte selbstzerstörerisch sein. Am Black Friday 2019 haben wir genügend Einnahmen erzielt, um unseren Lohn für den gesamten Monat auszuzahlen (Ohne bei der Rabattschlacht mitzumachen wohlgemerkt). Heute sind wir leider noch nicht in der luxuriösen Position, einen solch mutigen Schritt der Schliessung unserer Website für Black Friday wagen zu können.

 

Eines der Argumente für die Schliessung unserer Website war: «Wir werden die Einnahmen nicht verlieren, denn die Menschen werden wahrscheinlich sowieso an einem anderen Tag wiederkommen». Wenn dem aber so sein sollte, was wollen wir dann damit überhaupt erreichen? Gerade, wenn wir keine überzeugende Botschaft haben, wie REI sie hat. Wir kamen zum Schluss, dass diese Option den treuen Kunden nur Unannehmlichkeiten bereiten würde, auch wenn es verlockend ist, durch diese Aktion mit dem Finger auf den Black Friday-Wahnsinn zu zeigen.

 

Diese Haltung unterstreicht auch die Tatsache, dass jede Aktivität am Black Friday auf gewisse Art und Weise einfach Marketing ist, so edel die Absicht auch sein mag. Das gilt vor allem dann, wenn man damit der PR nachjagt. Es fällt fast schon schwer, sich von einer kühnen Aktivität nicht trotzdem auch mehr Werbung zu erhoffen. Genau aus diesem Grund haben wir uns gegen jegliche PR für unsere Aktivitäten entschieden. Wir sind der Meinung, dass wir nicht wirklich besser als die Mega-Rabatte-Anbieter wären, wenn wir eine noble Aktivität nur für PR-Zwecke nutzen würden.

4. Alle Einnahmen von Black Friday für wohltätige Zwecke spenden

Eine besonders inspirierende Idee kommt von dem Unternehmen Patagonia. 2016 spendeten sie ihre gesamten Einnahmen von Black Friday – unglaubliche 10 Millionen Dollar – an die Klima-Organisation grassroots. Wir LIEBEN diese Idee. Sie verkörpert genau die Art und Weise, wie auch wir operieren möchten. Diese Aktion stellt für uns die perfekte Botschaft eines ethischen Unternehmens dar.

 

Wie wir bereits unter Punkt 3 diskutiert haben, ist eine solche Aktion für finanziell starke Unternehmen wie Patagonia (ihre Spende entsprach «nur» 1,1% ihres Jahresumsatzes 2016) eine wunderbare Alternative zu Black Friday. Für uns aber könnte sich eine solche Aktion finanziell äusserst nachteilig auswirken, so dass wir dieses Risiko leider nicht eingehen können.

 

Außerdem bleibt dieses nagende Gefühl, das seine solche Aktion selbst für ein Unternehmen wie Patagonia im Wesentlichen ein brillanter Marketing-Trick war. Als sie diese Aktion ankündigten, erwartete Patagonia an diesem Tag einen Umsatz von 2 Millionen Dollar. Durch die große Publicity konnten sie jedoch 500% mehr als erwartet verkaufen. Verkäufe, die zweifellos ihre Markenbekanntheit erhöhten und sich im Laufe der Zeit mehr als bezahlt machte. Unserer Meinung nach wäre es wirkungsvoller, wenn sie eine solche oder ähnliche Aktion jedes Jahr machen würden, so wie REI es tut.

 

Trotzdem ist diese vierte Option diejenige, die wir für einen künftigen Zeitpunkt im Hinterkopf behalten werden. Für einen Zeitpunkt, zu dem sich Librio in sichereren Gewässer befindet.

 

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5. So weiter machen, wie bisher

Und so kamen wir zum Ende der Diskussion: die letzte offene Option war, das zu tun, was wir im letzten Jahr getan haben. Vielleicht hat unsere Diskussion 2019 einfach den Nagel auf den Kopf getroffen. Warum sollten wir also eine Idee ändern, die funktioniert?

 

Genauer gesagt, haben wir uns schlussendlich für eine Mischung aus den Aktivitäten von 2018 und 2019 entschieden.

 

2018 haben wir Black Friday in Colourful Friday umbenannt - das werden wir auch dieses Jahr wieder tun, hört es sich doch für einen farbenfrohen Kinderbuchverlag wie wir es sind deutlich passender an. 2019 haben wir keine Rabatte auf unsere Produkte angeboten, und dafür die Spenden an unsere Charity-Organisation um 300% erhöht - für jedes gekaufte Buch spendeten wir also drei weitere Bücher.

 

Unsere Botschaft lautete wie folgt:

Indem wir euch, unseren Käufer_Innen aus westlichen Ländern, keine Rabatte anbieten, können wir das dadurch eingesparte Geld an Organisationen spenden, die sich für eine Verbesserung der Welt jener einsetzt, die weniger Glück als wir haben.

 

Für uns fühlt sich dies an wie die perfekte Mischung aus

- nicht an der Rabatt-Schlacht teilnehmen

- potenziellen Kund_Innen zeigen, wo unsere Werte liegen

- zum Nachdenken anregen, ob man wirklich all das ermäßigte Zeug kaufen muss

Und das Beste von allem: die Verdreifachung unserer Spenden an unsere Charity-Organisationen

 

 

Was im Vergleich zum letzten Jahr anders ist

- Letztes Jahr haben wir die Aktion als eine Art Spendenaktion formuliert: «Helft uns, viele Bücher zu schenken, und wir können gemeinsam Gutes tun». Rückblickend fühl es sich etwas zynisch an. Unser Ziel ist es nicht unbedingt, am Black Friday mehr Bücher zu verkaufen, und den Konsumwahnsinn weiter anzufeuern. Vielmehr wollen wir einfach nur versuchen, die Spenden an unsere Charity-Partner zu erhöhen. Somit entschieden wir uns gegen ein Spendenziel für 2020. Das ist schade, denn wir lieben diese kleine Illustration mit den Mäusen.

 

- In der letztjährigen Aktion haben wir lediglich die Spenden an unsere Partner-Organisation Room to Read verdreifacht, nicht aber an Trees for the Future. Um ganz ehrlich zu sein geschah dies einzig deshalb, weil wir die Botschaft nicht zu unübersichtlich gestalten wollten. Wir setzten uns dieses Jahr jedoch vermehrt mit der Frage auseinander, wie wir unsere Spenden an beide Partner-Organisationen kommunizieren wollen. Dieses Jahr unterstützen wir somit auch unsere Umwelt-Partnerorganisation.

 

 

- Zu guter Letzt haben wir im letzten Jahr erkannt, dass wir durch den Verzicht unserer üblichen Rabatte tatsächlich  mehr Gewinn erzielten, als wenn wir Black Friday wie in Option 1 einfach ignoriert hätten. Das ist aber ganz klar nicht unser Ziel. Aus diesem Grund werden wir unseren erwarteten Gewinn für Option 1 und den tatsächlichen Gewinn durch die auserwählte fünfte Option analysieren, und einen allfälligen Überschuss ebenfalls spenden.

 

 

Wir sind froh darüber, die Diskussion um Black Friday auch dieses Jahr wieder eingegangen zu sein. Daraus konnten wir die Erkenntnis ziehen, dass unsere Aktionen von 2018 und 2019 bereits in die richtige Richtung gingen. Nun hoffen wir, dass 2021 die Diskussion nicht von vorne beginnen wird, sondern auf der diesjährigen Aktion aufbauen kann.